 Liturgie und Kirchenmusik
Der Begriff Liturgie (von gr. Leiturgia = öffentlicher Dienst) bezeichnet im Allgemeinen eine festgesetzte Reihe von Ritualen, die innerhalb einer Religion ausgeführt werden. Für die evangelische Kirche ist der Begriff enger zu fassen als „Gottesdienst“. Liturgie umfasst das ganze gottesdienstliche Geschehen: Wort und Gesang, Gestik, Bewegung und Gewänder, liturgische Geräte, Symbole und Symbolhandlungen. Festgehalten ist sie im Gottesdienstbuch, der Agende (nach lat. Agenda = was zu tun ist). Die Agende enthält Aufbau, Texte und Handlungen, das heißt, den Ablauf des Gottesdienstes. Diese Ordnung umfasst zahlreiche Stücke, die teils für alle Sonntage festliegen: das Ordinarium (nach lat. Ordinarium = ordnungsgemäß), teils je nach Kirchenjahr und Sonntag wechseln: das Proprium (nach lat. Proprium = eigen, individuell). Die Liturgie ist eng verwoben mit der Kirchenmusik. Keine kann ohne die andere sein. Ohne Musik und Gesang wären die Verkündigung und der Lobpreis um eine ganze Dimension menschlicher Ausdrucksfähigkeit verkürzt. Im Singen gewinnt das Unfassbare Gestalt. Das Innerste kommt nach außen. Die Bedeutung der Musik hat vor knapp 500 Jahren schon Martin Luther erkannt und der Musik nach der Theologie den nächsten Platz gegeben („Proximum locum do Musicae post Theologiam“). Gemeinsam mit dem Kantor Johann Walter entwickelte er Musik für den gottesdienstlichen Gebrauch im protestantischen Gottesdienst. Manche seiner Lieder singen wir bis heute. In der Vorrede zum Babstschen Gesangbuch von 1545 schreibt Luther: “Singet dem Herrn ein neues Lied, singet dem Herrn, alle Welt! Denn Gott hat unser Herz und Mut fröhlich gemacht durch seinen lieben Sohn, welchen er für uns gegeben hat zur Erlösung von Sünden, Tod und Teufel. Wer solchs mit Ernst gläubet, der kanns nicht lassen, er muß fröhlich und mit Lust davon singen und sagen, dass es andere auch hören und herzukommen.“ Stilistisch hat es der Kantor, die Kantorin heute nicht leicht. Wir blicken auf eine 500-jährige Tradition zurück, die gewahrt sein will. Und doch leben wir im 21. Jahrhundert. Die Kirche muss sich ihrer Zeit stellen, das Evangelium für die Menschen von heute predigen. Wir suchen Formen, in denen sich die Menschen wohl fühlen, wir möchten Musik machen, die die Menschen erreicht, die ihnen hilft, den Gottesdienst zu feiern. „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, müssen wir zulassen, dass sich alles verändert“ (G. T. di Lampedusa). So sind und bleiben wir Suchende. Eva Overlack
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