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03.06.12 18:00 Uhr: Festliche Bläsermusik

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Thema Kirchenmusik


„Ich singe dir mit Herz und Mund“

 

Neben Martin Luther ist Paul Gerhardt einer der bedeutendsten Kirchenlieddichter.

Von Paul Gerhardt, dessen Geburtstag sich am 12. März 2007 zum 400. Mal jährte, besitzen wir über 130 Lieder. Sie geleiten uns durch das ganze Kirchenjahr: Angefangen mit dem Adventslied »Wie soll ich dich empfangen« (EG 11) über »Fröhlich soll mein Herze springen« (EG 36) zur Weihnachtszeit, »Nun laßt uns gehn und treten (EG 58) zur Jahreswende, seinem Passionslied »O Haupt voll Blut und Wunden« (EG 85) bis zum Osterlied: »Auf, auf, mein Herz, mit Freuden« (EG 112) und dem Pfingstlied »Zieh ein zu deinen Toren« (EG 133) gibt es wohl kaum eine Gelegenheit zu der Paul Gerhardt kein Lied gedichtet hat.

Auch unter den Morgen- und Abendliedern des Gesangbuches sind viele von ihm. Besonders seine Kreuz- und Trostlieder sind für jeden Christen Lichtstrahlen im Dunkel der Anfechtung, einer Anfechtung, der auch er selbst ausgesetzt war. So bildet die Not des dreißigjährigen Krieges den Hintergrund für sein Leben.

1607 in Gräfenhainichen geboren verliert er als Jugendlicher beide Eltern und wird auf der Fürstenschule in Grimma erzogen. Ab 1628 studiert er Theologie in Wittenberg und nimmt aus Geldnöten eine Stelle als Hauslehrer an. Hier erlebt Paul Gerhardt das Wüten der Pest und den Tod seines Bruders 1637. 1643 siedelt er nach Berlin über. 1651 übernimmt er das Amt als Propst in Mittenwalde. Die folgenden Jahre sind seine glücklichsten, was sich dichterisch niederschlägt. Sein Ruf an die Berliner Nicolaikirche in 1657 fällt mit dem Streit um das Kurfürstliche Toleranzedikt zusammen und führt 1666 zur ersten Amtsenthebung. Die Rückkehr ins Amt kann er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren und so verlässt er Berlin. Er geht 1669 als Archidiakonus nach Lübben. Dort stirbt er einsam am 27.5.1676.

Trotz der Mühsal seines eigenen Lebens, gelang es Gerhardt auf einzigartige Weise den Blick von sich selbst fort auf Gott und seine christliche Hoffnung zu lenken ohne das gegenwärtige Leiden zu bagatellisieren. So wurde er durch die Authentizität und kraftvollen Bilder seiner Lieder zum Seelsorger und Tröster ungezählter Christen.

Monika Geray

 

Umfrage zum Thema Kirchenmusik

Welchen Stellenwert hat die Kirchenmusik im Leben unserer Gemeinde/ im Gottesdienst für Sie?

  • „Ich finde, die Musik gehört einfach zu einem Gottesdienst und Musik macht den Gottesdienst fröhlicher. Und ich finde die Musik, die gespielt wird, sehr schön.“ (11 Jahre)
  •  „Die Kirchenmusik ist für mich eine wichtige Möglichkeit, mich mit dem Glauben auseinandersetzen zu können.“ (34 Jahre)
  •  „Finde ich wichtig und unverzichtbar. Ab und zu modernere Stücke/Lieder wären auch nicht schlecht. Den Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert kann ich oft nicht folgen.“ (43 Jahre)
  •  „Mir bedeutet die Musik im Gottesdienst sehr viel. Für die Gemeinde ist es wunderbar, wenn z.B. die ganz Kleinen den Gottesdienst mitgestalten, aber auch, wenn die Kantorei singt. Ohne die Kirchenmusik würde ein großer Bestandteil des Gottesdienstes fehlen.“ (44 Jahre)
  •  „»Wer singt, betet doppelt.« Kirchenmusik hilft, dass die Botschaft Christi die Krusten und Verhärtungen durchbricht und die Seele erreicht.“ (45 Jahre)
  •  „Die Orgel ist sehr wichtig – das Wichtigste! Chormusik auch sehr schön – vor allem, wenn größere Konzerte aufgeführt werden. Die Angebote/Konzerte sind so vielfältig, dass ich leider nicht immer dabei sein kann (so viele Termine). Im Gottesdienst reicht mir eigentlich Orgelmusik – ab und zu gerne auch mal anderes (Jugendmusik, Chor, Bläser).“ (46 Jahre)
  •  „Gern viel davon. Aber die Gemeinde sollte dann auch voll mitsingen, sonst wirkt es eher traurig.“ (49 Jahre)
  •  „Sie ist Teil der Verkündigung; eine Sprache, in der sich Gott offenbart. Ich würde mir wünschen, dass die Musik häufiger so eingesetzt wird, dass sie der Gemeinde Inhalte erschließt. [...]“ (50 Jahre)
  •  „…einen riesengroßen! Kirchenmusik ist für mich das „klingende Evangelium“. Ich kann nur bitten: Spart an Vielem, aber bitte nicht an diesem Punkt.“ (55 Jahre)
  •  „Kirchenmusik ist Auslegung des Evangeliums und deshalb wichtig! Kirchenmusik ist weitergegebener Glaube. Kirchenmusik tut der Seele gut, macht froh, hilft, gibt Trost.“ (63 Jahre)
  •  „Ich singe gerne! Dabei vermisse ich eine mögliche „Bewegung“, Spontaneität, z.B. Kanon – ruhig mit „Fehler-Gesang“ oder mal ein neues kurzes Lied zwischendrin – zwischen der Predigt [...]. Oder auch mal spontan jemanden nach einem Wunschlied fragen [...].“ (72 Jahre)
  •  „Sie hilft, dass die „schönen Gottesdienste des Herrn“ auch wirklich schön sind. [...]. Sie ist mit Kantaten, Passionen etc. ein Stück selbstständige Verkündigung, die nicht nur den Intellekt, sondern auch Gefühl, Herz und Gemüt anspricht.“ (75 Jahre)
  •  „Die Kirchenmusik gehört zum Gottesdienst wie das Salz in die Suppe. Musik und Gesang verherrlichen Gott [...].“ (79 Jahre)
  •  „Die Kirchenmusik ist für mich das A & O. Sie schenkt mir Freude, Entspannung, Sammlung und Dankbarkeit. Man wird still und bescheiden.“ (85 Jahre)

Moderne Kirchenmusik

Die moderne Kirchenmusik hat für mich persönlich eine große Bedeutung - angefangen beim Singen in Jugendgruppen, im Jugendchor und auf Freizeiten über das Begleiten von Liedern im Sonntags- und Lobpreisgottesdienst bis hin zur musikalischen Gestaltung von neuen Gottesdienstformen und Aufführung von Musik-Projekten.

"Neue" Lieder mit Band gehören aus meiner Sicht genauso dazu wie Choräle mit Orgel. Die Melodien prägen sich ein und transportieren die Gute Nachricht. Die Instrumente, die bei der Begleitung zum Einsatz kommen, ergänzen die klassischen Instrumente.

Möchten Sie moderne Kirchenmusik kennen lernen? — Dann haben Sie bald Gelegenheit dazu: Am 03. und 17. Juni werden wir in der Tabita- Kirchengemeinde „Folgen“ aufführen (s. S. 5). Das Musik-Projekt führt auf ansprechende Weise durch das Lukas-Evangelium. Gestaltet werden die Lieder von einem 4-stimmigen Chor, Solisten und einer Band bestehend aus E-Piano, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Flöte. Wir möchten bei "Folgen" von Jesus erzählen, unseren Glauben weitergeben und für Sie gute Musik machen. Lassen Sie sich anstecken und mitreißen von den Melodien und Texten.

Jan Eric Cordes


Orgelmusik im Gottesdienst

Die Orgel hat in der Liturgie unserer Kirche seit vielen Jahrhunderten einen festen Platz. Zu Recht wird sie als Königin der Instrumente bezeichnet, weil sie durch die Art und Weise der Erzeugung des Tones der menschlichen Stimme am ähnlichsten ist.

Orgelmusik ist absoluter, d.h. vom Worte losgelöste Musik wie alle Instrumentalmusik. Sie hat durchaus ihren Platz im christlichen Gottesdienst, muss sich aber dessen bewusst sein, dass sie stets in der Gefahr ist, wegen ihrer Textlosigkeit nicht verstanden zu werden. Die Orgel tut an der Gemeinde einen guten Dienst, wenn sie in ihrem Auftrag mit den ihr gemäßen Mitteln Gott lobt und die Gemeinde ermuntert, auf ihre Weise das Gleiche zu tun. Als die Orgel im christlichen Gottesdienst Einzug hielt, hatte sie zunächst selbstständige Aufgaben. Die Gemeindebegleitung datiert erst aus den Zeiten, als der Gemeindegesang die Kraft der Reformation eingebüßt hatte. Vorher hatte die Orgel die Aufgabe, liturgische Stücke selbstständig auszuführen. Die Zeit ist noch nicht reif für die Forderung, die Gemeinde solle die Choräle grundsätzlich ohne Orgelbegleitung singen. Bei längeren Liedern würde der Gemeindegesang ohne Hilfe der Orgel verlangsamen oder detonieren (in der Tonhöhe absinken).

Doch sollte die Gemeinde daran gewöhnt werden, auch einmal ohne Orgelbegleitung einige Liedstrophen zu singen.

Begrüßenswert ist die Tatsache, dass eine ganze Reihe von Gemeinden die neuen liturgischen Weisen ohne Orgelbegleitung singt.

Die Orgel hilft der gottesdienstlichen Gemeinde, ihrer überschwänglichen Freude, ihren Bitten und Klagen, ja all dem Ausdruck zu verleihen, was der Mensch mit Worten allein nicht ausdrücken kann.

So wünsche ich allen Besuchern unserer Gottesdienste, dass sie vor allem bei der Feier der Liturgie immer wieder erfahren können, wie nicht zuletzt durch die musikalische Mitgestaltung der Orgel ihre Freude und Hoffnung, mitunter aber auch ihre Trauer und Angst vor dem Herrn selbst hingetragen werden.

C. Joram

Liturgie und Kirchenmusik

Der Begriff Liturgie (von gr. Leiturgia = öffentlicher Dienst) bezeichnet im Allgemeinen eine festgesetzte Reihe von Ritualen, die innerhalb einer Religion ausgeführt werden. Für die evangelische Kirche ist der Begriff enger zu fassen als „Gottesdienst“. Liturgie umfasst das ganze gottesdienstliche Geschehen: Wort und Gesang, Gestik, Bewegung und Gewänder, liturgische Geräte, Symbole und Symbolhandlungen. Festgehalten ist sie im Gottesdienstbuch, der Agende (nach lat. Agenda = was zu tun ist). Die Agende enthält Aufbau, Texte und Handlungen, das heißt, den Ablauf des Gottesdienstes. Diese Ordnung umfasst zahlreiche Stücke, die teils für alle Sonntage festliegen: das Ordinarium (nach lat. Ordinarium = ordnungsgemäß), teils je nach Kirchenjahr und Sonntag wechseln: das Proprium (nach lat. Proprium = eigen, individuell).

Die Liturgie ist eng verwoben mit der Kirchenmusik. Keine kann ohne die andere sein. Ohne Musik und Gesang wären die Verkündigung und der Lobpreis um eine ganze Dimension menschlicher Ausdrucksfähigkeit verkürzt. Im Singen gewinnt das Unfassbare Gestalt. Das Innerste kommt nach außen. Die Bedeutung der Musik hat vor knapp 500 Jahren schon Martin Luther erkannt und der Musik nach der Theologie den nächsten Platz gegeben („Proximum locum do Musicae post Theologiam“). Gemeinsam mit dem Kantor Johann Walter entwickelte er Musik für den gottesdienstlichen Gebrauch im protestantischen Gottesdienst. Manche seiner Lieder singen wir bis heute. In der Vorrede zum Babstschen Gesangbuch von 1545 schreibt Luther: “Singet dem Herrn ein neues Lied, singet dem Herrn, alle Welt! Denn Gott hat unser Herz und Mut fröhlich gemacht durch seinen lieben Sohn, welchen er für uns gegeben hat zur Erlösung von Sünden, Tod und Teufel. Wer solchs mit Ernst gläubet, der kanns nicht lassen, er muß fröhlich und mit Lust davon singen und sagen, dass es andere auch hören und herzukommen.“ Stilistisch hat es der Kantor, die Kantorin heute nicht leicht. Wir blicken auf eine 500-jährige Tradition zurück, die gewahrt sein will. Und doch leben wir im 21. Jahrhundert. Die Kirche muss sich ihrer Zeit stellen, das Evangelium für die Menschen von heute predigen. Wir suchen Formen, in denen sich die Menschen wohl fühlen, wir möchten Musik machen, die die Menschen erreicht, die ihnen hilft, den Gottesdienst zu feiern. „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, müssen wir zulassen, dass sich alles verändert“ (G. T. di Lampedusa). So sind und bleiben wir Suchende.

Eva Overlack